Bereits am Montag der 38. Kalenderwoche war Aufbruch, um am folgenden Wochenende in Estland einen Marathon der Kategorie E1 zu absolvieren. Die Teilnahme sollte der Höhepunkt dieser Reise sein aber der Weg war das Ziel. So konnten wir auf unserer Tour auch viel von der spätsommerlichen Natur der durchquerten Landstriche genießen.
Bei unserer Fahrt durch Ostdeutschland passierten wir zunächst die Hansestädte Lübeck und Rostock, danach ging es durch Stettin und Bromberg, um hinter Thorn den ersten ruhigen Schlafplatz anzusteuern. Gut erholt durchfuhren wir die Masuren und Allenstein, bevor die Grenze bei Olezko überschreiten konnten.
Nach dem Übertritt sahen wir Suwalki, welches wir auf der Rückfahrt auf einem anderen Weg erreichen sollten: da wir aufgrund verschiedener Verpflichtungen die Strecke ohne Pause zurücklegen wollten, hätte das zeitaufwendige Abwarten der Auflösung eines langen Staus nach einem Unfall unseren selbstgesteckten Zeitrahmen gesprengt. So verließen wir kurzerhand die Nationalstraße an einer Tankstelle, bogen über einen Feldweg in ein Waldstück ein und orientierten uns nach unserem Gefühl. Etwa 15 Minuten später sahen wir wieder die Lichter der Stadt vor uns aufleuchten- und die Polizei auf dem Weg zum Ort des Geschehens ausrücken.
Kurz nach Eintreffen in Litauen schlugen wir unser Nachtlager unweit von Königsberg, wo nicht nur Wilhelm I. gekrönt wurde, auf. Hier konnten wir am nächsten Morgen unsere Ausfahrt durch Wälder und Wiesen starten und anschließend ein Bad im See nehmen. Reichlich erfrischt stillten wir während der Weiterreise unseren Hunger und gönnten uns schließlich einen Kaffee in der Hauptstadt Kaunas.
Die bis zum Erreichen Estlands zur Verfügung stehende Zeit war nicht zu knapp bemessen, denn schließlich vernachlässigten wir nicht die körperliche Ertüchtigung. Die benutzten großen Transitstrecken waren gut besucht, die Nebenstrecken weniger stark befahren und ebenfalls bestens zur Fortbewegung jeder Art geeignet. Während der gesamten Reise konnten wir nicht herausfinden, ob für die Benutzung der Wege in einem der Länder eine Maut fällig gewesen wäre...
Nach der Ankunft in Lettland füllten wir unsere Wasservorräte in Dünaburg auf, konnten aber wegen fehlender Devisen keine Verköstigung der örtlich gebrauten Getränke vornehmen. Mittlerweile kamen die Höchsttemperatuten kaum über 10° C hinaus, dennoch genossen wir auf unseren Trainingsstrecken die frühherbstliche Sonne. Abends verteilten wir uns auf unser mobiles Hotel "Invasion" oder die aus Seidenstoff bestehende Zweibettkammer "Lappland".
Mittlerweile waren wir froh, unser Ziel in unmittelbarer Nähe zu wissen. Auf unserem Weg waren dann immer mehr russische LKW zu sehen, die schließlich geschätzte 10 bis 15 Kilometer entfernt von der Grenze nach Rußland das Ende der Warteschlange ansteuerten.
Am späten Freitagnachmittag kamen wir im 2000 Einwohnerdorf Odenpäh, der Ort unserer Unterbringung und des Starts zum sonntäglichen Wettkampf, an. Wir stärkten unsere müden Körper mit einem ordentlichen Nudelgericht, um nach nicht weniger als 10 Stunden Schlaf im Skihotel Tehvandi die Vorbereitungen für das Sprintrennen in Tartu zu treffen.
Dort durften 24 handverlesene Spezialisten das fachkundige Publikum auf einer 1000 Meter Runde mit einem Ausscheidungsfahren unterhalten. Die Qualifikationskriterien waren eindeutig beschrieben, so daß wir mühelos den Zwischenlauf erreichten. Am Ende reichte es zwar nicht für einen Preisrang, die gesparte Energie wollten wir im Hauptrennen umsetzen.
Am Sonntag herrschte ein auch für die Küchenkräfte unerwartet großer Andrang am Frühstücksbüfett, von wo aus wir mehrere Dutzend Teilnehmer beobachten konnten, die bereits voll ausgerüstet ihren Platz in der Startaufstellung ansteuerten. Bevor wir dieses ebenfalls taten, durften wir dem NDR noch Auskünfte über unsere Motivation der Teilnahme und gesteckten Ziele geben.
Nach dem Start verloren wir schnell an Boden, obwohl wir im ersten Startblock mit den anderen Eliterennern aufgereiht standen. Routiniert wie wir sind, kämpften wir uns aber Position um Position nach vorn. Karsten fuhr schließlich in einer Gruppe, die ihre Besten unter die Top 20 bringen konnte, Olli knapp dahinter. Während der Kapitän aus Saksamaa allerdings bei einem Sturz sein Rudel verlor, versagten dem anderen die Beine ihren Dienst. Man sollte bei Temperaturen im einstelligen Bereich trotz Rüttelstrecke und Handschuhen nicht auf die Nahrungsaufnahme verzichten...
Dennoch waren wir mit unserem Abschneiden in dieser Disziplin nicht unzufrieden, Streckenkenntnisse und andere Erfahrungswerte werden uns in Zukunft von Vorteil sein. Selbstredend werden wir nicht das letzte Mal an einer solchen Veranstaltung teilgenommen haben.